Kindergarten-Workshop »Malen und gestalten mit dem Computer«

Die Fakultät für Wirtschaftsinformatik und Angewandte Informatik der Otto-Friedrich-Universität Bamberg öffnete am 23. Juni 2009 ihre Türen für den jüngsten »Informatik-Nachwuchs«: Die Vorschulkinder des Sankt Stephan Kindergartens (Diakonisches Werk Bamberg-Forchheim) nahmen an einem Modellprojekt zur vorschulischen Vermittlung von IT-Grundwissen teil, konzipiert von Prof. Dr. Ute Schmid, die in die Theorie von Pixeln, Bits und Bytes einführte, und Dipl.-Kultpäd. Sanne Grabisch, zuständig für die konkrete gestalterische Anleitung und Einführung in das OpenSource-Vektorgraphik-Programm Inkscape. Zwei Stunden lang arbeiteten sechs Kinder im Labor des Lehrstuhls für Kognitive Systeme am Computer, begleitet von ihrer Erzieherin Liz Haberlein und Praktikant Julian Kalk.

Logo des Kindergartens Sankt Stephan

Zuvor hatten die Kinder ihren Kindergarten mit einer Digitalkamera dokumentiert. Die Bilder vermitteln einen interessanten Einblick darin, wie die Kinder ihren Kindergarten wahrnehmen und was sie dort besonders mögen bzw. interessant finden. An der Universität sollten diese Fotos nun zu einem selbstgestalteten Poster zusammengefügt werden. Dafür hatte Sanne Grabisch für jedes Kind eine Vorlage vorbereitet: Neben dem mit »Mein Kindergarten« überschriebenen „digitalen Blatt“ lagen die eigenen Fotos wie auf einem Arbeitstisch bereit, eine Aufnahme, die das Kind zeigt, wie es selbst fotografiert, war schon auf dem „Blatt“ arrangiert.

Arbeitsvorlage in Inkscape Die Arbeit begann für die Kinder mit dem Öffnen der Datei. Schon hier zeigte sich, dass die Beherrschung der Maus einiges an Übung erfordert. Anschließend lernten die Kinder, wie sie Objekte verschieben, vergrößern bzw. verkleinern und drehen konnten, und setzten dies gleich bei der Positionierung der Fotos auf dem digitalen Blatt um.

Die Kinder lernten nun ein Gestaltungselement kennen, einen Stern, den sie mit der Maus (durch Ziehen bei gedrückter linker Maustaste) in Größe und Ausrichtung festlegen konnten, über ein Farbmanagement legten sie dabei die Farbe der Füllung und der Umrisslinie fest. Mit einem Kalligraphie-Pinsel malten sie abschließend von freier Hand auf dem Blatt.

Inkscape ist ein professionelles Werkzeug und kein Kindermalprogramm (welches sicherlich geeigneter ist, wenn es nur darum geht, Kinder am Computer malen zu lassen und so an den Computer heranzuführen – hierfür bietet sich z.B. das OpenSource-Programm »Tux Paint« an). Als Vertreter der Universität haben wir den Anspruch, auch einen kleinen Einblick in die Welt der Informatik zu vermitteln. Wir setzend dabei auf den – möglicherweise prägenden – Eindruck, den die Kinder so von einer Universität und dem Aufenthalt in einem echten Labor erhalten: Arbeiten wie die Großen – und dabei Spaß haben! Denn die meisten Kinder haben bereits von kleinauf – meist über ihr familiäres Umfeld – Kontakt mit Computern. Neben kindertauglichen Spielen finden sie oft das Malen am Computer besonders faszinierend. Entsprechend haben wir dieses Interesse genutzt, um im Kontext des bildhaften Gestaltens einige Grundkonzepte der Informationsverarbeitung einzuführen. Bei der Umsetzung gab es keine gestalterischen Regeln, die Kinder konnten ihr Poster ganz nach ihren Vorstellungen (und Möglichkeiten) umsetzen.

Für uns und für die Kinder war es eine spannende und schöne Erfahrung: Das Vergrößern der Fotos bei nicht fixiertem Seitenverhältnis verursachte große Erheiterung. In der Nutzung der neuen Werkzeuge gingen die Kinder ganz unterschiedlich vor: Anna war vom Drehen der Bilder am meisten fasziniert. Sie malte hingebungsvoll mit ihrer Lieblinksfarbe (pink) neben den Fotos, weil sie nicht wollte, dass das Gemalte mit auf das Poster käme. Simon überlegte sehr gewissenhaft, welche Sterne er in welchen Farben und welchen Größen wo platzieren wollte. Luey Nun kurvte begeistert mit dem Kalligraphie-Pinsel auf seinem Blatt herum, legte sich beim Anlegen seiner Linien-»Autobahn« gleich selbst mit in die Kurven (auch Motorengeräusche waren mitunter zu hören). Wenn so das Blatt vollständig zugemalt und praktisch nichts mehr von den Fotos zu erkennen war, machte er seine Arbeit rückgängig, um wieder von neuem seine Kreise zu ziehen.

Zum Abschluss des Tages schauten sich die Kinder ein Filmchen über die Computermaus an, denn nach getaner Arbeit hatten alle etwas Entspannung bei Saft und Keksen verdient. Und wenige Tage später hielten sie dann im Kindergarten stolz ihre Arbeiten als ausgedrucktes Din-A-3-Poster in den Händen. Diese werden nun, für alle sichtbar, im Foyer des Kindergartens ausgestellt, bis die Urheber sie schlussendlich mit nach Hause nehmen können. Das Fazit des Kindergartens: Gerne nächstes Jahr wieder!

Notizen der Erzieher über die Kinder bei Fotografieren

„Anna überlegte gezielt, welche Sachen sie im Kindergarten besonders mag. Diese lief sie nacheinander ab und hatte viel Spaß beim Fotografieren.

Ben war ein begeisterter Zoom-Benutzer. Er suchte sich spontan einige Dinge heraus, die er fotografieren wollte.

Lorenz suchte sich die Motive zum fotografieren aus, wo er sich im Kiga am liebsten aufhält. Diese hatte er dann auch im Schnelldurchlauf in der Kamera festgehalten.

Genauso wie sein Freund Lorenzo. Dieser brauchte auch nicht lange, um sein Plakat fertigzustellen. Er sortierte die Bilder sehr zügig und malte noch ein wenig Rand. Ein Stern durfte auch nicht fehlen, dann war es fertig.

Simon dachte immer sehr ausführlich und lange darüber nach, was er fotografieren möchte. Schließlich entschied er sich relativ spontan für »schöne Sachen«.

Tim fotografierte einfach die Dinge, die ihm ins Auge stachen. Ganz spontan entdeckte er Motive beim Durchlaufen des Kigas. Auch er hatte viel Spaß am zoomen!

Im Großen und Ganzen hatte alle einen riesen großen Spaß am Fotografieren.“

Liz Haderlein und Julian Kalks

Das Projekt wurde von Professor Dr. Ute Schmid und Dipl.-Kulturpädagogin Sanne Grabisch (Universität Bamberg, Fakultät WIAI) auf Anregung von Veronika Schießer (Kindergarten Sankt Stephan) konzipiert und umgesetzt. Liz Haberlein und Julian Kalk vom Kindergarten Sankt Stephan halfen bei der Betreuung.

Eine ausführliche Darstellung der Veranstaltung findet sich auch unter http://ideal.istik.de.